Leserbrief zum Tagblatt-Artikel «Wir haben nichts gegen YouTube»

Sehr interessiert habe ich das Interview «Wir haben nichts gegen YouTube» gelesen. Das Interview an sich ist gelungen und postulierten Forderungen seitens Christoph Trummer zumeist vernünftig. Da ich das Thema aber noch gerne aus einer etwas anderen Perspektive beleuchten sehe, habe ich mich dazu durchgerungen, folgenden Leserbrief ans Tagblatt zu schicken:

Zeiten ändern sich

«Wo im Internet mit multimedialen Inhalten Geld verdient wird, muss dieses auch fair mit den Urhebern geteilt werden.» – Für sich alleine genommen hätte der Satz von Christoph Trummer ebenso gut von einem Mitglied der Piratenpartei stammen können. Leider aber beschränken sich die Forderungen des Vereins Musikschaffenden nicht nur auf diese (wirklich berechtigte) Forderung. Auf der Vereinswebseite wird gefordert, dass Filesharing besser verfolgt wird und Provider unerwünschte Inhalte sperren müssen. Diese Forderungen zielen darauf ab, die aus Sicht der Musikschaffenden positiven Eigenschaften des vor-Internet-Zeitalters mittels rechtlichen Mitteln wiederherzustellen: Einen Markt, der denselben Regeln wie bei materiellen Dingen folgt – die Möglichkeit, Musik so zu verkaufen wie der Bäcker seine Brötchen. Ausser Acht gelassen wird dabei, dass die Durchsetzung solcher Regelungen für immaterielle Güter einen alles durchdringenden Überwachungsapparat im Internet bedingen würde. Das Internet, so wie wir es heute kennen – ein Musterbeispiel des Fortschritts, wäre damit Geschichte.

Bereits heute sind 3D-Drucker für Private erschwinglich. Es können Comic-Figuren, Masken und Ersatzteile aus dem Internet geladen und selbst gedruckt werden. Es ist realistisch, dass in wenigen Jahren Lego-Bausteine zu Hause selbst gedruckt werden. Wollen wir diese Fortschritte auch blockieren oder anerkennen wir, dass sich die Zeiten geändert haben und die Spielregeln geändert werden müssen? Ich hoffe auf Letzteres.

Die Lösung der Piraten lautet: Die nichtkommerzielle Vervielfältigung von Werken soll legalisiert werden – schlicht weil der von der Gesellschaft zu tragende Schaden einer konsequenten Durchsetzung den Nutzen übersteigt. Schutzrechte im kommerziellen Umfeld bleiben davon unberührt, da diese zweckmässig und durchsetzbar sind. Ich bin mir sicher: Wir als Gesellschaft, inklusive und insbesondere die Kreativen unter uns, werden davon profitieren.

Reto Schneider
Ladhuebstrasse 13c
9300 Wittenbach
Stadtparlamentskandidat St.Gallen, Piratenpartei

Mit sehr viel Glück wird der Brief evt. möglicherweise allenfalls sogar abgedruckt. 🙂


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